Automobil-Industrie: Warum steigen die Rückrufzahlen?

Vom Champion zum Underperformer

2014 war international betrachtet das Jahr mit den höchsten Rückrufzahlen in der Automobil-Industrie seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auch in Deutschland ist die Zahl der Rückrufe hoch: Waren es 2013 noch rund 770.000, liegt die Zahl nur für das erste Halbjahr 2015 schon bei fast einer Million (exakt: 938.477)! Rund die Hälfte davon fällt auf einen deutschen Premiumhersteller. Hoffentlich wird dadurch die Freude am Fahren nicht getrübt!
Diese offiziellen Angaben des Bundesverkehrsministeriums und des Kraftfahrtbundesamts sind nur die Spitze des Eisbergs: Denn Interna zur Qualitätsperformance bei den einzelnen Herstellern und deren Zulieferern werden logischerweise nicht öffentlich kommuniziert.

Die letzte Hiobsbotschaft datiert vom 02. Oktober 2015: Eine deutsche Automarke informiert über eine Rückrufaktion wegen defekter Lenkungen. Und dabei hatte man sich dort zuvor so auf das Umparken im Kopf konzentriert!

Doch worauf sind steigende Rückrufzahlen und sinkende Qualität in der Automobil-Industrie zurück zu führen? Methoden und Werkzeuge, wie Kontinuierlicher Verbesserungsprozess und FMEA, TQM und Root Cause Analysis, sind doch seit Langem eingeführt und von daher bestens bekannt!

• Fehlermöglichkeit Unternehmen
Wird Qualität intern nicht mehr ausreichend als wichtiger Schlüssel zur Kundenzufriedenheit propagiert?

• Fehlermöglichkeit Mitarbeiter
Sind die Mitarbeiter überlastet oder wurden sie mit Blick auf „Nullfehler“ nicht ausreichend geschult?

• Fehlermöglichkeit Produktkomplexität
Vernebelt die derart komplexe Kombination aus Plattform/ Modul/ Produktvarianz den Blick für das Gesamte?

• Fehlermöglichkeit Prozesse
Ist die Prozesskette von Entwicklung über Produktion bis hin zur Auslieferung nicht optimal synchronisiert?

• Fehlermöglichkeit Financial Performance
Drücken Shareholder Value und geforderte EBIT-Margen auf die Qualitätsperformance?

• Fehlermöglichkeit Qualitätsmanagement
Wurde das Qualitätsmanagement der Agilität bei Produktentwicklung/ -vielfalt, Produktion und SupplyChain, etc. angepasst?

Mit unserer Erfahrung aus Qualitätsmanagement-Projekten in der Automobil-Industrie (OEMs, Tier1s) kommen wir in der Ursachenanalyse zu folgenden Schlüssen:

1. Grundursache Qualitätsmanagementsystem
Eine wachsende Zahl an Produkten/ Varianten, die teils heterogenen Plattform-/ Modulstrategien, die generelle Verkürzung der Produktlebenszyklen und steigende technisch-fachliche Anforderungen führen zu permanent neuen Herausforderungen für die Unternehmen, insbesondere für das Qualitätsmanagement. Qualitätsmanagementsysteme werden nicht synchronisiert und hinken den sich schnell wandelnden Prozessen hinterher. Ausnahmen bei Qualitätsprozessen werden zwangsweise zur Regel. Die bekannten Probleme mit Big Data erschweren Lösungen zusätzlich.

2. Grundursache Corporate Governance
Angst vor einer Fehlentscheidung und den daraus resultierenden Konsequenzen führt zu passiver Verantwortungsübernahme. Die verordnete Lethargie ist im dadurch geschwächten Immunsystem des Unternehmens nur schwer zu lokalisieren. Mit zunehmender Zeit werden die Abwehrkräfte des Unternehmens geschwächt und es reagiert nicht mehr auf qualitative Störfälle.

3. Grundursache Mitarbeiter
Die neue Zeit der postautoritären Manager pflegt ein Übermaß an Positivität und fördert eine Hyperaktivität des zwanghaften Einverstandenseins. Dadurch nicht getroffene Entscheidungen verschärfen die Situation.
Absolute Loyalität und hohe Identifikation der Mitarbeiter mit „ihrem“ Unternehmen sorgen dafür, dass die Abweichung vom vorgegebenen Standard nicht nach außen dringt. Intern ist es ein „offenes Geheimnis“. Man arrangiert sich. So funktionieren Unternehmen, insbesondere wenn sich Mitarbeiter unter Druck fühlen. Verbundenheit bis zum bitteren Ende.

Sehr gerne diskutieren wir weitere Details auf Anfrage persönlich mit Ihnen!

Excelliance Management Partners übernehmen als Verlängerte Werkbank resp. Schnelle Eingreiftruppe mit Können und Leidenschaft die Verantwortung für das Management strategischer Projekte. Hierunter fallen beispielsweise Umbruchsituationen in Unternehmen oder Geschäftseinheiten mit dem Ziel eines schnellen Turnaround, Business Transformation mit dem Ziel einer nachhaltigen Performancesteigerung oder die Übernahme in Schieflage geratener Projekte mit dem Ziel der Sicherstellung des geplanten Projekterfolgs.
Hierbei stehen handverlesene Spezialisierte Spezialisten für Expertentum im eigentlichen Sinne und sind von ihrem Erfahrungshintergrund auf Augenhöhe mit dem Kunden. Excelliance kommt mit einer kleinen Spezialeinheit und nutzt die vorhandenen Ressourcen des Kunden. Intelligente Strategien, große Umsetzungsstärke sowie hohe betriebswirtschaftliche und technische Kompetenz sorgen für eine schnelle Realisierung positiver Ergebnisse bei hohem Return der Investition Excelliance. Nahbarkeit, Respekt, Werte und Zuhören bilden die Basis für schnelle Ergebnisse. Die Nachhaltigkeit der Resultate wird gewährleistet durch den Informations- und Know-how – Transfer auf die Mitarbeiter sowie eine periodische Begleitung des Kunden (Monitoring, Justierung) über einen Zeitraum von 24 Monaten nach Projektende. Mehr unter www.excelliance.de
Excelliance …. Wissen ohne Umsetzung bleibt nutzlos, Umsetzung ohne Nachbetreuung wirkungslos!

Weitere Artikel

In der Presse/ Rüdiger TIBBE zu Rückrufe/ Produktion/ 14. Dezember 2016 Thema Rückrufe in der Automobil-Industrie Rüdiger TIBBE im Interview mit der Fachzeitschrift PRODUKTION Der Artikel als PDF:  Produktion_Rückrufe_Interview_Tibbe_20161214 Viel Spaß beim Lesen!

Lesen

In der Presse/ Rüdiger TIBBE/ Produktion/ 22. März 2017 Thema Zukunft Dieselmotoren in der Automobil-Industrie Rüdiger TIBBE im Interview mit der Fachzeitschrift PRODUKTION Der Link zum Interview Viel Spaß beim Lesen!

Lesen

Autonomes Fahren – Hype oder bald Wirklichkeit? (Teil 3 von 3) Die gesamte Automobilindustrie, sowohl die Hersteller als auch die großen Zulieferanten, bereiten sich auf einen signifikanten Wandel in ihren Geschäftsmodellen der nächsten Dekade vor. Automotive-Newcomer, wie Google, Uber, Tesla, usw. bringen hier zusätzlichen Wettbewerbsdruck herein, obwohl davon auszugehen ist, dass mit Ausnahme von Tesla…

Lesen